Lektionen in Demut {Schreibzeit #4}



Diesen Monat wird es philosophisch bei Bines Schreibzeit und das lass ich mir nicht entgehen.

Wie es in der Überschrift schon steht, geht es um die Tugend "Demut". Für viele etwas eingestaubt, ist sie doch in der heutigen Zeit vielleicht angebrachter als man denkt. Das finde ich zumindest wenn man sich etwas damit beschäftigt.

Mit als erstes fiel mir dazu der Song "Lektionen in Demut" von Thomas D ein. Das Lied finde ich persönlich zwar eher so mittel aber den Text dafür sehr schön und passend:



Knie nieder, Nichts, und danke der Welt, 
dass sie dir ein zu Hause gibt und dich am Leben hält.
Und dann erhebe dich, Prinz, nutze deine Macht gut!
Nimm die Lektionen des Lebens in Demut.



Das Wort Demut stammt von dem althochdeutschen Begriff "diomuoti" was so viel bedeutet wie "die Gesinnung eines Dienenden". Dabei steckt tatsächlich das alte Wort für Mut in Demut, nur dass damals Mut nicht für das heutige "tapfer, furchtlos sein" stand sondern für Gemütszustände im Allgemeinen, positiv wie negativ (daher auch Begriffe wie: frohgemut, sanftmütig, wehmütig, schwermütig). Aber auch für "trachten nach etwas", "etwas anstreben wollen".
Im Begriff Demut ist also das Trachten nach etwas mit der Hingabe zum Dienen vereint.
Was soll das nun alles bedeuten?


Der Demütige handelt nicht aus dem Bestreben heraus einen Vorteil für sich zu erhaschen, er ist vollkommen selbstlos! Er gibt sich seiner Gegenwart hin um ihr zu dienen. Er nimmt sein Leben und Schicksal an ohne dagegen anzukämpfen. Wie das Wasser, dass immer und stetig fließt und sich seinem Dasein ergibt. Interessanterweise geht das Wort "fließen" auf dieselbe indogermanische Wurzel wie das Wort "dienen" zurück. (Hab ich auch erstmal gegooglt....)

Demut bedeutet für mich zu erkennen, dass man Teil eines Großen und Ganzen ist, und im Prinzip absolut klein und unwichtig als Individuum. Der Demütige nimmt sich nicht wichtig, wie es viele heutzutage tun. Er weiß, dass sich die Welt, seine Welt, nicht um ihn dreht und gut ohne ihn funktioniert. Er ist nicht herablassend und unterscheidet nicht nach Herkunft oder Rang.
Es gibt sogar Ratgeber wie Demut in Führungspositionen zu mehr Erfolg führen kann, als es Macht und Hierarchiegehabe je können. Viele setzen Demut gleich mit Bescheidenheit, doch sehe ich die Bescheidenheit als Teil der Demut, sie ist ein Schritt hin zur Demut.
Dem Demütigen ist das Wohl seiner Umgebung immer wichtiger als sein eigenes. Denn er selbst kann nur wahre Freude und Wohl empfinden wenn es den Menschen um ihn herum genauso geht.






Ich bin der Meinung man kann nicht zwischendurch mal demütig sein, weil man merkt wie unzulänglich, klein, machtlos und unwichtig man ist auf diesem Planeten, in diesem Konstrukt, das sich Leben nennt. Solche Momente können jedoch Anstoß für einen Sinneswandel sein. Aber ich glaube, dass man, indem man aktiv versucht demütig zu sein, es nicht wirklich ist....oder wie seht ihr das?

Ist ein Diener, der seinem Herrn dient, wie die Sklaven damals, wirklich demütig? Oder gibt er es nur vor? Um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen, nämlich nicht gedemütigt zu werden? Keine Strafe zu bekommen? Er verhält sich demütig aber ist nicht von Grund auf demütig!

Ich glaube eher indem man seine Werte und somit sein Handeln innerhalb dieser Wert- und Moralvorstellungen neu überdenkt und indem man sich selbst zurücknimmt, ohne auf seine Ansichten und Interessen zu verzichten, nur diese eben nicht in den Vordergrund drängt, gelangt man Schritt für Schritt zu demütigem Handeln und Denken. Ohne sich aktiv mit der Demut zu beschäftigen. Ist das verständlich?

Und nun mal zur Realität:
Wer ist denn heutzutage noch komplett selbstlos? Wer handelt nicht auch mal mit dem Bestreben, sich einen Vorteil zu erhaschen? Wer buckelt nicht mal nach oben oder tritt nach unten? In der heutigen Zeit in der man noch kleiner gemacht wird als man sowieso schon ist. In der man - gefangen im Netz der Schnelllebigkeit beschwert mit Steinen aus Oberflächlichkeit - untergeht bevor die Sonne aufgeht. In der man sich durch Hochmut und Stolz abgrenzt und Menschen anderer Rassen, Herkunft oder Gesinnungen ausgrenzt. Wir überschätzen unsere Bedeutung und unterschätzen die Folgen daraus. Unsere Belange sind nicht wichtiger als die jeder anderen Person auf dieser Welt!
Die Demut erdet uns! Sie gäbe uns die Wurzeln zurück, die wir manchmal nicht mehr finden.



Du hast die Wahl ob hier das Paradies oder die Hölle ist
Denn du bist Schöpfer deiner Welt obwohl du Teil von ihr bist
Du trägst Verantwortung für alles was in deinem Leben geht
Und auch ein Stück vom Herzen eines Jeden der dir nahe steht
...
Du willst ein Held sein, dann tritt für die Welt ein
Und lass die Liebe wieder Spiegel deines Selbst sein!


Ich denke, die Demut, wie sie vielen im Kopf herumschwirrt, vor Gott oder als unterwürfiger Diener ohne eigene Meinung oder als ein Mensch der absolut selbstlos, fast perfekt ist - diese Demut ist vielleicht tatsächlich verstaubt. Vielleicht können viele Menschen mit ihr nichts mehr anfangen, weil sie denken sie nie erreichen zu können. Weil sie denken sie müssen sich selbst aufgeben um demütig zu sein und wer will das schon.

Ich will mal einige Schlagworte nennen die für mich den Weg hin zu sozialer Demut bereiten:

Wertschätzung
Respekt
bedingungslose Liebe
Verzeihen
Bescheidenheit
Loyalität
Verzicht
Vertrauen
Mut



Heute gibt es aber unzählige Gründe warum diese Werte ins Wanken geraten. Dabei sind sie der Kleber, der unser Sozialleben zusammenhält. Dabei ist es doch eigentlich nicht schwer, nach und mit ihnen zu leben. Oder doch?

Ich gebe zu für mich ist es das schon ab und an. Wir sind eben die Summe unserer Erfahrungen und Erlebnisse. Und die sind nicht immer gut, und die Päckchen sind manchmal groß und schwer und manchmal kreist die Erde um uns und nicht um die Sonne. Manchmal will man nicht hören, dass es anderen Menschen schlechter geht. Da ist das eigenen Leid eben groß und alles einnehmend und der Rest einfach egal. Und ich finde das ist auch legitim.
Aber dafür sind wir ja Teil eines Großen und Ganzen. Nicht nur in den Stunden in denen es anderen schlecht geht demütig zu sein und zu merken wie klein die eigenen Übel sind, sondern eben auch in Stunden in denen das eigene Elend haushoch ist zu wissen, dass es Menschen um uns gibt, die selbstlos handeln und für uns da sind. Uns aus den Tälern helfen, weil sie uns vertrauen und wir ihnen, weil wir andersherum für sie da waren, weil wir sie lieben, weil wir so oft verziehen haben, weil wir loyal sind und alles zu uns zurückkehrt.
Es ist für mich auch Demut, zu erkennen, dass man nicht alles allein schaffen muss und kann, eben weil man nicht alleine und nur Teil von etwas Größerem ist. Den Mut zu haben um Hilfe zu bitten und Hilfe auch anzunehmen. Den Mut zu haben einzusehen, dass man nicht perfekt ist, fehlbar und unvollkommen und das Vertrauen das alles immer irgendwie gut wird! Es ist ein Schneeballprinzip. Vollkommen werden wir durch die Gemeinschaft mit den Menschen, die wir lieben aber immer im Reinen mit uns. Sich selbst in einem gesunden Maß zu lieben ist wohl das, was die wenigsten Menschen können. Aber gerade durch diese Eigenliebe ergibt sich vieles von selbst. Warum sind denn die Verbitterten meist auch von einer negativen Aura umgeben und die, die mit sich im Reinen sind strahlen von innen heraus.

Ihr seht, es ist nicht so einfach mit uns und der Demut und irgendwie dann wieder doch!

Also lasst uns die Demut aus dem Schrank holen, sie liebevoll abstauben und in unsere String-Regale Stellen, gleich neben die "feinedinge"-Vasen und die Bilder unserer Liebsten, so dass wir jeden Tag ein wenig an sie denken und sie wieder zurückkehrt in unsere Köpfe und Herzen. Denn sie ist eine schöne Tugend! Irgendwie Vintage aber immer wieder modern.



Alles Liebe für euch!




Eure Nathalie











Hier noch der Link zum Lied auf Spotify.

Kommentare

  1. Wahnsinn, liebe Nathalie! Was für ein toller Beitrag zu Bines Schreibzeit. "Irgendwie Vintage, aber immer wieder modern" gefällt mir super. Mal sehen, ich denk auch schon länger nach, was ich zu dem Thema beitragen will... Herzliche Grüße von fee

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  2. Nathalie, das war mal ein Beitrag....wahnsinn! Ich hab ihn quasi verschlungen! Du hast mitreißende Worte gefunden für ein Thema das mir schon bei der ersten Begegnung bei Bine sehr schwerfällig vorkam. Danke!

    Ganz viele liebe Grüße!

    Franzy

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